Die Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO zeigen global eine drastische Zunahme der von Trockenheit betroffenen Flächen, insbesondere in Europa. Für Deutschland bedeutet das einen anhaltenden Abwärtstrend in der Wasserspeicherung. Zum Jahresende 2025 gab es ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittel seit 2002.
Text: Dr. Eva Boergens & Dr. Julian Haas, GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung
Mithilfe der Satellitenmissionen GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment, 2002–2017) und GRACE-FO (GRACE-Follow-On, seit 2018) lässt sich die globale Wasserspeicherung mit monatlicher Auflösung beobachten. Mit nunmehr 24 Jahren an Daten können langfristige Veränderungen analysiert werden.
Extreme Entwicklungen: Immer weniger Land mit „normaler“ Wasserspeicherung
In der hier gezeigten Abbildung wird die Veränderung der Wasserspeicherung nicht wie sonst üblich in z.B. absoluten Abweichungen in Millimetern gezeigt, sondern als Kategorisierung:
- Trocken: die Wasserspeicherung war so niedrig wie die trockensten 25% der restlichen Beobachtungen an dem Ort
- Normal: die Wasserspeicherung entsprach den mittleren 50% der Beobachtungen
- Feucht: Wasserspeicherung war so hoch wie die feuchtesten 75–100% der Beobachtungen an dem Ort
Durch die Darstellung in Kategorien können verschiedene Regionen mit unterschiedlichen hydrologischen Regimen und Eigenschaften besser miteinander verglichen werden. Für jeden Gitterpunkt und jeden Monat wird der Zustand der Wasserspeicherung mit dem langjährigen Mittel verglichen, um zu bewerten, ob er „normal“ war oder ob Abweichungen in Richtung “trocken“ oder „feucht“ vorlagen. Abbildung 1 zeigt für jedes Jahr den Anteil der Beobachtungen pro Kategorie.
Global betrachtet nehmen die Extreme der Wasserspeicherung zu. Während 2009 noch 75 % der Landfläche einen normalen Wasserspeicher aufwiesen, waren es 2025 nur noch knapp ein Drittel. Diese Entwicklung ist zu großen Teilen auf die Zunahme trockener Gebiete zurückzuführen, deren Anteil sich von 12 % im Jahr 2009 auf nahezu 43 % im Jahr 2025 mehr als verdreifacht hat.
Die Landfläche, die als feucht eingestuft ist, blieb hingegen über die letzten 24 ähnlich groß und hat sich im letzten Jahr wieder dem Zustand von vor über 20 Jahren angenähert.
Regionale Unterschiede: Afrika als Ausnahme, Arktis und Europa besonders betroffen
Der globale Überblick erlaubt jedoch nur eine Gesamtbilanz und berücksichtigt keine regionalen Unterschiede im Detail. Ein differenzierteres Bild ergibt sich aus der Betrachtung der 61 kontinentalen Flussregionen und deren Entwicklungen in den vergangenen 24 Jahren. Für jedes dieser großen Flusseinzugsgebiete und jedes Jahr wird dabei der Mittelwert aller Beobachtungen farbcodiert dargestellt: Rot kennzeichnet Wassermangel, Blau einen Wasserüberschuss.
Von allen Weltregionen verzeichnete lediglich Afrika eine deutliche Zunahme der Wasserspeicherung, in geringerem Maße auch Australien und Ozeanien. In den übrigen Regionen ist hingegen eine Abnahme zu beobachten, wobei insbesondere die Gletscherschmelze in der Arktis hervorsticht. In Europa und im Nahen Osten zeigen alle Einzugsgebiete eine Abnahme der Wasserspeicherung (Abbildung 3).
Besonders ausgeprägt ist auch in Europa dabei die Abnahme des Gletschereises auf Island (Region 7). Zwar geht die Wasserspeicherung in allen Regionen zurück, jedoch unterscheiden sich die Zeitpunkte, ab denen ein negativer Trend erkennbar ist. Im Nahen Osten (Gebiet 9) sinkt die Wasserspeicherung bereits seit 2009, während in Westeuropa – das den Großteil Deutschlands umfasst (Gebiet 3) – erst seit etwa 2014 eine kontinuierliche Abnahme feststellbar ist.
Deutschland: Trockenheit seit 2018, kurze Erholung 2024
Ein abschließender Blick auf Deutschland zeigt, dass die anhaltende großräumige Trockenheit seit 2018 – möglicherweise bereits seit 2015 – deutlich erkennbar ist. Das Jahr 2024 war hingegen überdurchschnittlich feucht, mit rund 15 % mehr Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel, wodurch sich die Wasserspeicherung vorübergehend erholen konnten. Dadurch erreichten sie erstmals seit 2018 wieder annähernd ein normales Niveau.
Im Jahr 2025 lagen die Niederschläge jedoch erneut mit -18 % deutlich unter dem Durchschnitt. Gleichzeitig führte eine erhöhte Verdunstung infolge hoher Temperaturen dazu, dass sich die Wasserspeicherung wieder verringerte. Über den Zeitraum seit 2002 betrachtet hatte Deutschland zum Jahresende 2025 ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittelwert der Zeitreihe seit 2002. Ende 2023 waren das noch „nur“ rund 10 Milliarden Tonnen.